Emanzipation mal anders
Verfasst von oollii am 31 März, 2010 - 01:03.Es ist erschütternd und furchtbar: 39 Menschen sind gestorben und über 70 liegen noch verletzt in den Krankenhäusern. Das sind die schlimmsten Auswirkungen der feigen Selbstmordattentate, die gestern in zwei Moskauer U-Bahn-Stationen verübt wurden.
Sogenannte "schwarze Witwen" sollen die Anschläge durchgeführt haben, Witwen und Mütter von getöteten islamischen Männern. Nun scheint sie plötzlich da zu sein: die Emanzipation der Frau in der fundamentalistisch-islamischen Weltordnung - zumindest wenn es ums Sterben und Töten geht. Das klingt jetzt zynisch - und ist es leider auch.
Das russische Regime scheint die Stimmung mit kernigen Sprüchen weiter anzuheizen und treibt die Spirale der Gewalt damit weiter. Putin will beispielsweise die Terroristen "aus der Kanalisation kratzen".
Eine Meldung entbehrt dabei allerdings nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Auf tagesschau.de ist folgendes zu lesen:
Im Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments, wurden Rufe nach Wiedereinführung der Todesstrafe laut. "Das ist unsere Reaktion auf die tragischen Ereignisse von gestern", sagte der Vorsitzende des Justizausschusses, Anatoli Kyskow, laut einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti.
Ich bin mir sicher, die Selbstmordattentäter dieser Welt lassen sich durch die Androhung der Todesstrafe beeindrucken und überlegen es sich noch mal, bevor sie sich selbst und möglichst viele unbeteiligte Zivilisten in die Luft sprengen! Dieser Anatoli Kyskow muss ja ein wahrer Raketenwissenschaftler sein...
Und Sie morden weiter...
Verfasst von Nero Impala am 30 März, 2010 - 20:54.
Heute hat
Die positivste und wohl ermunternste Entwicklung ist wohl, dass immer mehr Staaten einsehen, dass die Todestrafe, inhuman und unzivilisiert ist, sowie gegen die Menschenwürde verstößt, und haben sie 2009 abgeschafft. Zum Beispiel schaffte Togo die Todesstrafe 2009 endgültig ab, nach dem die letzte Hinrichtung 31 Jahre (1978) zurück lag.
Interessant ist, dass es Staaten gibt, die die Todesstrafe noch im Gesetz haben und verhängen, sie aber nicht mehr ausführen oder nur noch für schwerste Verbrechen, wie Kriegsverbrechen kennen. Pikant in diesem Zusammenhang ist, dass das Bundesland Hessen in seiner Verfassung noch die Todesstrafe kennt, sie aber in Folge Artikel 102 GG »Die Todesstrafe ist abgeschafft.« und Artikel 31 »Bundesrecht bricht Landesrecht« nicht umgesetzt werden kann.
Die weniger schöne, eigentlich sogar erschreckende Entwicklung ist, dass die Spitzenreiter (China, Iran, Irak, Saudi Arabien, USA) unter den verbliebenen Staaten im Club der Hinrichter ihre unschöne Praxis ungebrochen scheint oder sogar noch ausgebaut wird. Im China, Iran und Sudan setzten sie sogar vermehrt als politisches Mittel der Unterdrückung ein. Nach Untersuchungen Amnestys treffen das Schicksal zum Tode verurteilt zu werden, überdurchschnittlich viele Arme und Minderheiten (ethnisch, religiös und national).
Böse, böse
Verfasst von Nero Impala am 29 März, 2010 - 19:16.Dass täglich so im die fünf Roboter versuchen, sich hier zu registrieren und uns mit Spam vollzuschei... vollzukleistern, bin ich ja schon gewöhnt. Aber jetzt bin ich doch tatsächlich Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Irgend jemand hat meinen Twitter Account gehackt! Schweinerei... Man ist einfach nirgendwo sicher.
Was zum Teufel ist eigentlich ein Rollator?
Verfasst von Nero Impala am 25 März, 2010 - 21:39.
Ich gebe zu, bis vor ein paar Wochen war mir der Begriff völlig unbekannt - Rollator Was soll das sein? Ich wäre nie darauf gekommen, dass damit der Gehwagen gemeint sein könnte. Nun ja...
Warum deswegen gleich einen Blogbeitrag schreiben? Ja, wenn auch nicht wegen des Rollators, sondern weil das Wort momentan permanent durch Funk, Fernsehen und Gedrucktes wandert. Ein klarer Fall eines Modeworts. Zum Glück kein ekelhaftes. Es gibt Worte, die sind einfach hässlich, zum Beispiel das permanent verwendete Wort von der Entschleunigung. Einfach nur widerlich! Entschleunigte Menschen fressen bestimmt auch Slowfood.
Ich will ja nichts sagen, aber ich hoffe inständig, dass sich mein Food überhaupt nicht bewegt. Weder fast noch slow. Slowfood als Wort ist megawiderlich.
Hier noch ein paar Vertreter der ekelhaften Wortsorte:
- vollinhaltlich - Kann eigentlich nur dem Hirn eines servilen Vorstandsassistenten entsprungen sein.
- verortet - Klingt wie festgewachsen
- authentisch - Wer würde sich mit weniger zufrieden geben, als mit dem echt authentischem Tischdeckchen aus Madagaskar Spitzohrrattenhaar.
- Humankapital - Da fällt mir nichts mehr zu ein. Oder doch: Humankapital wird zunehmend durch den Anglizismus human resources ersetzt.
Um noch Mal auf den Rollator zurück zu kommen. Heute Abend in der Berliner Abendschau habe ich einen Bericht über die Gropiusstadt gesehen.
Drachenblut 2 - Das Buch ist wieder bestellbar.
Verfasst von Nero Impala am 23 März, 2010 - 22:03.Hallo Freunde des gedruckten Wortes,
der zweite Band meiner Drachensage war zwar im Oktober/November letzten Jahres in Druck gegangen, dann aber schnell ausverkauft, so dass ein paar Leute kein Exemplar abbekommen haben. Die gute Nachricht lautet: Es ist wieder verfügbar. Ich habe wieder Exemplare bei mir rumliegen (auch vom ersten Teil) und giere danach, sie unter das Volk zu bringen. Die Konditionen haben sich nicht geändert: 10,95€ für das Buch, 0,30€ für Verpackung und 0,85€ für Porto (innerhalb Deutschlands).
Bei Interesse schickt mir doch einfach eine Mail an nero@text-bloxx.de.
Ach ja, wer es gelesen hat und es gefiel, der könnte mir einen kleinen Gefallen tun und vielleicht bei Amazon eine Rezension schreiben? Nur so als ganz kleine Bitte...
Für alle, die sich fragen, ob ich jetzt eigentlich in Geld schwimme, nach dem ich ja nun zwei Bücher im Handel habe. Nicht wirklich. Es deckt die Kosten, z.B. für eine neue Festplatte. Wie ich letztens feststellen musste, können die Dinger tatsächlich kaputt gehen. Aber so ein Buch ist und bleibt einfach cool. Am Bildschirm lesen ist okay, aber mit einem Buch in der Bahn sitzen oder auf dem Sofa, im Bett, auf dem Klo... ist einfach anders.
Und dann habe ich vorgelesen...
Verfasst von Nero Impala am 22 März, 2010 - 23:08.Was passiert, wenn man mit einer Erkältung zur Lesung auf eine Büchermesser mit trockener, warmer Hallenluft fährt? Richtig, man liegt am nächsten Tag flach. Freitags bin ich morgens noch zur Arbeit gefahren, um dann mittags den Heimweg anzutreten. Kaum ins Bett gekrochen, war ich auch schon eingeschlafen.
Aber zurück zur Leipziger Buchmesse. Die Stadt hat einen beeindruckenden Bahnhof:
Statt mit der kriesengeschüttelten deutschen Bahn zu fahren, haben wir den Interconnex von Berlin nach Leipzig und zurück genommen. Die boten sogar ein sehr günstiges Messeticket (41€) an, bei dem der Eintritt mit drin war.
Das Messeglände der Leipziger Messe ist sehr elegant. Die zentrale Glasshalle ist leicht, offen und wunderbar hell.
Als ich das erste Mal die Fantasy Leseinsel sah, hätte ich mich fast vor Panik eingeschissen. Die war für mein Empfinden einfach nur riesig: Eine Sitzlandschaft mit drei Reihe und eine Herde kleiner Hocker für die Leser auf der einen Seite, ein Glastisch mit Wasser und zwei Sessel auf der anderen Seite für die Schreiberlinge. Nett, aber für mich total nervenaufreibend.
Nun ja, um 16:00 Uhr war es dann so weit. Ich will ehrlich sein. Die Zuhörerzahl war sehr überschaubar, was aber bei einem unbekannten Typen wie mich wohl nicht ungewöhnlich war. Trotzdem war ich extrem nervös und... nun ja, ich las zu schnell und hustete erkältungsbedingt mehrfach ins Mikro. Ich war sogar so nervös, dass ich ein Mitglied unserer kleinen Blogs hier ganz vergessen habe, nach ihrem Nickname zu fragen. Egal, dann muss ich mich einfach nochmal auf diesen Wege bedanken: Danke für den Beistand!
Leipziger Buchmesse - Wann und wo
Verfasst von Nero Impala am 16 März, 2010 - 23:30.Hallo Ihr Lieben,
übermorgen, am 18.3. ist es so weit. Ich darf auf der Leipziger Buchmesse aus Drachenblut lesen. Die Lesung läuft im Rahmen von Leipzig liest. Ihr findet mich um 16:00 Uhr in Halle 2, Stand G303 auf der Leseinsel Fantasy. Hier die Details.
Kleriker, Kinder, Gewalt und mein Kindergarten
Verfasst von Nero Impala am 12 März, 2010 - 18:03.Im Jahre 1988 erschien das Buch Kleriker: Psychogramm eines Ideals von Eugen Drewermann.
Ein zwar extrem interessantes, aber auch quälend zu lesendes Werk. Ich gebe zu, ex nicht vollständig durchgearbeitet zu haben, doch weit genug, um bei den momentan hochkochenden Misbrauchsskandalen hellhörig zu werden. Wir schreiben heute das Jahr 2010, seit 1988 sind 22 Jahre vergangen und doch erscheint mir das Buch aktueller denn je. Das ihm bereits 1991 die katholische Lehr- und im Januar 1992 die Predigtbefugnis entzogen wurde, wunderte mich schon damals nicht (auch wenn angeblich aus anderen Gründen). Viel spannender und im Rückblick schockierender empfinde ich, dass Drewermann schon damals das, womit wir uns heute auseinander setzen müssen, mehr oder weniger prognostiziert hat. In einem Beitrag von n-tv bestätigt er seine damalige Meinung und wird darin auch von anderen Unterstützt. Das Hauptproblem der katholische Kirche und Ursache der Katastrophe, sei ihre »leib-, lust- und frauenfeindlichen Sexualmoral«. Wer könnte dem ernsthaft widersprechen?
Allerdings bin ich der Meinung, dass da noch mehr Ursachen gibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Fälle von Kindesmissbrauch und -misshandlung bis zu dreißig Jahre zurück liegen. Als ich über das Thema nachdachte, ist mir etwas aus meiner Kindheit eingefallen, was mir zu denken gab - Womit ich nicht das geänderte Design der Fußwegschilder meine, obwohl das alte mit dem Mann mit Hut aus heutiger Sicht, einem verdächtig vorkommt (So richtig freiwillig, scheint das kleine Mädchen nicht mitgehen zu wollen).
Ich bin in Lübeck erst in einen Kindergarten und mit Einschulung in einen Kinderhort gegangen. Vom Kindergarten ist mir nicht mehr viel in Erinnerung geblieben: Die frische Milch, die es zum Frühstück gab und im Winter auch schon mal Eisstücke enthielt, dass wir von 1:00 bis 3:00 immer schlafen mussten, obwohl wir nicht müde waren oder das ekelhaft Essen.
Lernfähige Sendeanstalten?
Verfasst von Nero Impala am 9 März, 2010 - 23:04.Wir kennen das seit Jahren, diese widerlichen Spots der GEZ. Die Masche war bisher immer gleich: Schwarzsehen ist böse. Die Spots sind fast so widerwärtig wie die gegen Raubkopierer (»Noch vier mal singen.«) Aber jetzt läuft hier bei uns im rbb-Radio und Fernsehen eine andere Art von Spot, die zumindest eine gewisse Lernfähigkeit seitens der Gebühreneintreiber erahnen lässt, dass sie uns nicht mehr alle als Schwarzseher, sondern als Bezahler ihrer Brötchen betrachten.
Das Konzept ist ebenso einfach wie sympathisch: »Diese Sendung wurde ermöglicht durch Ihr Rundfunkgebühren. Danke«
Geht doch!
And the oscar goes to... dem internationalen Frauentag
Verfasst von Nero Impala am 8 März, 2010 - 23:04.
Wie lange eigentlich, gibt es schon den Oscar? Halt! Nein, er heißt ja offiziell Academy Award of Merit. Aber um auf die Frage zurück zu kommen, der Academy Award wird seit 1929 also 80 Jahren.
80 Jahre und 80 Jahre kein einziger weiblicher Preisträger in der Kategorie Beste Regie. Bis gestern, den gestern, bei der 81. Verleihung gewann kathryn Bigelow das goldene Kerlchen für ihre Regiearbeit zum totalen Kassenflop The Hurt Locker. Die Kritiker sind hingegen voller Lob und lieben diesen Film.
Das die gute Kathryn coole Filme machen kann, hat sie schon mehrfach bewiesen. Gefährliche Brandung ist ein spannender Film und temporeich inszeniert. Zu einem meiner Lieblingsfilme zählt noch ein anderes Werk der diesjährigen Oscarpreisträgerin Strange Days, in dem auch einer meiner Lieblingssprüche vorkommt - Lenny Nero (Ralph Fiennes): »Kugelhemmendes Glas? Was ist aus dem guten alten kugelsicheren Glas geworden?«
Pikantes Detail 1: Damals war Kathryn Bigelow mit einem gewissen James Cameron verheiratet, der auch das Drehbuch schrieb und den Film produzierte.
Pikantes Detail 2: Heute, ein Tag nach der Preisverleihung, ist Internationaler Frauentag. Ob sich die überwiegend alten Säcke der Academy of Motion Picture Arts and Science sich wohl einfach nur gönnerhaft zeigten und deswegen... nein, so sexistisch kann niemand sein, oder?


