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Die Heimat der schrägen Geschichten.

»Das Gespräch war zu kurz!«

Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  • Die Drehbuchautoren fast aller Krimis und Thriller sind ignorante Technikverweigerer
  • Die Drehbuchautoren fast aller Krimis und Thriller sind arrogante Arschlöcher, die glauben, auf Genauigkeit bei den Technikdetails kommt es nicht, weil es die Zuschauer eh nicht begreifen.

Anders kann ich mir nicht erklären, dass die uns nach wie vor diesen Schwachsinn mit dem zu kurzen Gespräch präsentieren, wenn mal wieder eine Telefonfangschaltung nicht geklappt hat. Dabei ist das absoluter Humbug, wie eigentlich jeder nach der Diskussion um die Voratsdatenspeicher wissen sollte - sogar Drehbuchautoren. Da Gespräche heute komplett digital, entweder per ATM oder zunehmend per IP und SIP vermittelt werden, fällt bei jedem Verbindungsaufbau, ja sogar bei jedem Verbindungsversuch ein Datensatz an, der alle spannenden Informationen enthält. Es gibt sogar ein Leitungsmerkmal namens Malicious Call Identification (MCID), mit der sich Rufnummern sofort anzeigen lassen.

Aber vorher kommt dieser Mython, von der Fangschaltung, bei der ein Gespräch mindestens X Minuten bestehen musste, um gefangen zu werden?

Der Ursprung liegt in der Vermittlungstechnik der 60iger und 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts als die Vermittlung von Gespräche noch von Hebdrehwählern und Edelmetall-Motor-Drehwählern vermittelt wurden und das gesamte Telefonnetz in Relais-Logik realisiert war. Wollte man damals einen Anruf zurück verfolgen, mussten Fernmeldetechniker der Post tatsächlich die Leitung vom Angerufenen zum Rufer in den Schaltkästen der Vermittlung zurück verfolgen, d.h. von einem Drehwähler zum nächsten wetzen, die Nummer ablesen und den Weg zum vorausgehenden suchen. Das kostete Zeit und war alles andere als einfach. Legte der Anrufer auf, bevor die ganze Kette abgeklappert war, fielen die Drehwähler in ihre Nulllage zurück und die ganze Arbeit war für die Katz.

Und jetzt kommt die Pointe: Mit Einführung der Fangschaltung wurde dieses Verfahren obsolet. Der Angerufene konnte dann nämlich eine sogenannte Fangziffer wählen, die die Vermittlungstechnik so umschaltete, dass die Leitung nach dem Auflegen des Anrufers nicht beendet wurde, was den Beamten in den Vermittlungsstellen alle Zeit der Welt gab, die Rufnummer zu ermitteln und das bereits in den 60igern.

Mit anderen Worten: Der dramatische Zeitdruck bei der Anrufrückverfolgung ist seit fast 50 Jahren totaler Käse... Vielleicht sollte das jemand mal den Drehbuchautoren veraten.