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Was ist eigentlich Netzneutralität? (Und warum ist sie so wichtig?)

Ein verdammt sperriger und staubtrocken klingender Begriff. Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages formuliert es auch nicht viel handlicher:

„Der Begriff Netzneutralität bezeichnet die neutrale Übermittlung von Daten im Internet, das bedeutet eine gleichberechtigte Übertragung aller Datenpakete unabhängig davon, woher diese stammen, welchen Inhalt sie haben oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben.“

Also, was ist das nun, diese Netzneutralität und warum ist es gut, um sie zu kämpfen?

Dazu muss man wissen, wie das Internet funktioniert. Nicht in allen abscheulichen Details, aber in groben Zügen. Deswegen jetzt eine Micro-Mini-Nanoeinführung

Das Internet

Du sitzt gerade vor einem Webbrowser und betrachtest diese Webseite. Als die schlauen Jungs und Mädels in den 70igern des letzten Jahrhunderts TCP/IP erfanden, sind sie auf eine geniale Idee gekommen: Daten werden in Paketen verschickt. Jedes Paket trägt eine Absender- und eine Empfangsadresse, dies sind die berüchtigten IP-Adressen. Wenn z.B. die Pakete, aus denen sich diese Webseite zusammensetzt zu eurem Browser übertragen werden, tragen sie als Absenderadresse die IP-Adresse meines Servers (212.60.223.130) und als Empfangsadresse die eures Browsers (oder eures DSL-Routers, aber das sind nur Details). Der eigentliche Witz ist, dass diese Datenpakete durch X Hände gehen. Mein Webserver schickt sie an unsere Firewall, die schickt sie weiter an unseren SDSL-Router, der weiter an die Gegenseite des Providers und so weiter und so fort, bis sie irgendwann bei eurem Browser eintrudeln. Mehr steckt eigentlich nicht dahinter.

Von Router zu Router

Das Wichtigste im Internet ist, wie ihr euch denken könnt, diese Paketweiterleiterei. Die Geräte, die dies tun, sind die sogenannten Router. Die Router entscheiden anhand der Zieladresse, wo ein Datenpaket hin soll. Das ist wie in einem Postamt, wo Briefe anhand der Postleitzahl in unterschiedliche Postsäcke sortiert werden, um diese dann nach München, Berlin, Hamburg oder Paris zu schicken.

Dem Router ist es wie dem Postboten und den Briefsortierern vollkommen egal, was in so einem Paket steckt, ob Webseite, Youtube-Video oder Pornobildchen, er schaut nur auf die Zeiladresse. Mehr interessiert ihn nicht, genau so wenig, wie dem Postboten interessiert, ob er einen Liebesbrief oder einen Steuerbescheid in den Briefkasten wirft - bisher

Was ist in dem Päckchen?

Im Gegensatz zu einem Brief, der einen Umschlag besitzt, durch den sich nicht so leicht hindurchsehen lässt, sind die Datenpakete im Internet eher so etwas wie Postkarten. Eigentlich kann ein Router alles lesen, was in dem Paket steckt. Unter anderem steht in jedem Paket auch drin, um was es sich handelt: E-Mail, Webseiten, Video usw. Und wo es nicht direkt drin steht, lässt es sich mit etwas Hirnschmalz ausrechnen.

Warum, dachten sich ein paar Informatiker, wie ich es bin, könnte man denn dann nicht einzelne Pakete von den Routern unterschiedlich behandeln? So habe ich meinem Router zu Hause z.B. angewiesen, die Datenpakete die E-Mails enthalten, die ich versende, weniger schnell zu versenden, als zum Beispiel Skype. Was stört es mich, ob eine große E-Mail fünf oder fünfzig Sekunden braucht, um verschickt zu werden, wenn deswegen mein Internettelefon stottert? Richtig - Nichts!

Netzneutralität

Und genau darum geht es. Was ich im Kleinen betreibe wollen die Provider im großen Stil aufziehen. Bei ihnen geht es um Überholspuren im Netz. Wer mehr bezahlt, dessen Datenpakete sollen an den anderen vorbeigeleitet werden und diese überholen. Dies ist eine Möglichkeit. Das große Buzzwort lautet Deep Packet Inspection, sprich ein tiefes, genaues Hineinsehen in die Datenpakete. Per se ist das keine schlechte Sache. Mit DPI lassen sich Computervieren isolieren, Spam blocken aber auch Datenströme regulieren und damit Inhate zensieren, wie dies in China etwa geschieht.

Wie ihr euch denken könnte, sind hier die Grenzen fließend: Wann ist die Paketanalyse noch etwas Gutes, wann dient sie kommerziellen oder politischen Interessen? Die Netzneutralität verlangt daher, dass grundsätzlich alle Datenpakete von den Providern, also außerhalb des eigenen Netzes, gleich behandelt werden, niemand bevorzugt und niemand benachteiligt, damit alle am Internet gleichberechtigt teilnehmen können und niemand ausgegrenzt wird.

PS: Ach ja, ich habe den Aufruf zur Netzneutralität von pro-netzneutralitaet.de unterzeichnet.