Und noch ein kleiner Sieg
Wer hätte das gedacht. Nach dem am 4. November 2008, dem Tag der Wahl Barack Obamas zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten, in Kalifornien die unsägliche Proposition 8 von 52% der Wähler angenommen wurde und damit die jüngst erst eingeführte »Homoehe« wieder abschaffte, wurde gestern dieser Volksentscheid als verfassungswidrig wieder kassiert. Begründung: Verstoß gegen den verfassungsmäßigen Gleichheitsgrundsatz.
Die religiöse Recht hat natürlich wieder Schaum vorm Mund und plant nun seinerseits Schritte gegen das kalifornische Urteil. Befürworter und Gegner der Gleichstellung homo- und heterosexueller Ehen bereiten sich auf den langen Marsch durch alle Instanzen vor. Am Ende wird die Sache mit Sicherheit vor dem Supreme Court der USA landen. Wie die Rechtsfrage dort ausgeht, dürfte in den Sternen stehen. Das Problem hier ist die Zusammensetzung der Richterschaft. Fünf republikanischen Richtern stehen nur drei demokratische gegenüber. Da Mitglieder des Supreme Courts auf Lebenszeit gewählt werden und die ältesten beiden Richter Antonin Scalia und Anthony Kennedy, beide Jahrgang 1936, mit 74 Jahren zwar nicht mehr sonderlich jung, aber für oberste Richter auch noch nicht wirklich alt. Auf liberale Nachfolger sollte man also nicht hoffen. Außerdem ist es gar nicht ausgemacht, wie die Richter entscheiden. Selbst als konservativ geltende Richter, wie Antonin Scalia, überraschten schon mit erstaunlich liberalen Entscheidungen, allerdings nicht, wenn es um Homosexualität geht.
Viel interessanter ist, woher die Gegner der Homoehe und Initiatoren der Prop 8 in Kalifornien das Geld für ihre Kampagne haben. Natürlich unterstütze Rom also die römisch-katholische Kirche den Volksentscheid, die entscheidenden Gelder stammen aber nach allen bisher bekannt gewordenen Information von der The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints (LDS) einer Untergruppe der Mormonen, die ihre Mitglieder dazu anhielten, als Glaubensbeweis für Prop 8 Geld zu spenden und Freizeit für Aktionen zu opfern. Es wurde ermittelt das von allen nicht kalifornischen Kampagnengeldern (out of state fundings) 45% aus dem Bundesstaat Utah stammen, der Heimat der Mormonen, mehr als von jedem anderem Bundesstaat. 80-90% aller politischen Klingenputer (door-to-door activists), die in Einzelgesprächen Wahlberechtigte bei Besuchen zu Hause von der Prop 8 überzeugen wollten, waren Mitglieder der Prop 8.
Wir können uns in Europa, selbst hier in Schland, glücklich schätzen, dass die Homoehe nicht wirklich ein Thema ist, über das sich die Politik die Köpfe einschlägt oder das die Bevölkerung massiv spaltet. In den USA ist es hingegen hochpolitisch und entzweit die Gesellschaft, wie es nur Themen wie Waffenbesitz und Todesstrafe können.


