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Belgien verbietet Burkas

Die Schweizer machten den Anfang. Im November letzten Jahres (2009) verboten sie den Neubau von Minarettten. 57,5% der Eidgenossen stimmten für das Verbot. Und heute (30. April 2010) haben die Belgier das Tragen einer Burka oder Nikab verboten. Die Strafe: 140€ oder bis zu 7 Tage Ordnungshaft. Tja, und dann war da noch die neue Sozialministerin Nidersachsen, Aygül Özkan(CDU), die über Kruzifixe in niedersächsichen Klassenzimmern nachdachte, genau genommen, sie nicht aufzuhängen.

Wie nicht zu erwarten, ertönte in allen drei Fällen sowohl lauter Aufschrei der Empörung als auch Zustimmung. Interessant, wer Protestierte und wer jubilierte. Zugegeben, das Schweizer Minarettverbot ist schon ein heftiger Schlag in die Weichteile einer liberalen Gesellschaft. Kirchen ja, Moscheen nein? Das ist genau so indiskutabel wie Kirchen nein und Moscheen ja, wie in der Türkei. Entweder, eine Gesellschaft bekennt sich zur Religionsfreiheit oder nicht. Ein bisschen Religionsfreiheit ist genau so möglich, wie ein wenig schwanger.

Aber was ist mit der Burka? Kniffelig, sehr, sehr kniffelig. Das Argument, dass für die Burka angeführt wird, ist natürlich ebenfalls die Freiheit der Religionsausübung. Mag sein. Ich persönlich halte die Burka und die Nikab für Unterdrückkungswerkzeuge einer mittelalterlichen patriarchalen Gesellschaft, aber das muss jede Kultur mit sich selbst ausmachen. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die Frauen in unserer Gesellschaft wenig zu melden. Eigentlich ist es noch heute so. Wie hoch ist der Frauenanteil in den Chefetagen deutscher Firmen? Wie hoch ist der Anteil der Frauen unter der Professorenschaft an den deutschen Universitäten? Kleiner als 2% - Tendenz fallend.

Aber zurück zur Burka. Das Wesen dieses Kleidungsstück ist die Vermummung, was zu einer asymmetrischen Kommunikation führt und die ist unfair. Ihr versteht, was ich meine. Die Person unter der Burka, kann dich sehen, du sie nicht. Vielleicht ist das Verbot der Burka zu weitgehend. Ich kann verstehen, wenn Menschenrechtsgruppen, wie Amnesty International, dagegen Sturm laufen. Umgekehrt kann ich mich aber auch nicht dem Argument verschließen, dass die vollständige (zwangsweise) Verhüllung von Frauen, ebenfalls Menschenrechte verletzt. Wer hat jetzt Recht? Diejenigen, die sagen, dass ein Verbot gegen die Freiheit der Religionsausübung verstößt, oder diejenigen, die die Verhüllung als Verletzung der Menschenwürde betrachten, selbst wenn die Trägerinnen es nicht so empfinden.

Und was ist jetzt mit dem Kruzifix? Sollten wir sie aus unseren Klassenzimmern entfernen?

Nun, es dürfte niemanden überraschen, dass ich dies mit entschieden bejahe. Unsere öffentlichen Schulen sollten streng laizitisch erfolgen, weswegen ich auch den Ethikunterricht dem Religionsunterricht den Vorrang gebe. Wer seine Kinder konfessionell erziehen möchte, kann sie in kirchliche Schulen schicken.

Zum Schluss bin ich noch die Verbindung der Kruzifixe mit Burka und Minarettverbot schuldig. Ich finde es pikant, dass die gleichen Leute, die sich fürchterlich darüber Aufregen, dass die Kruzifixe in deutschen Schulen abgehängt werden sollen, jubeln dem Minarett und Burkaverbot zu. Riecht meiner Meinung nach ziemlich nach Heuchelei, oder?