Wie haltet ihr es mit »Neusprech«, oder: Warum die Franzosen keine CPU kennen.
Wer kennt sie nicht, die hippe Neusprache. Wenn wir früher ganz profan etwas vereinbart hat, dann commiten wir uns jetzt auf Goals. Kernkompetenz, auch so ein Unwort, war gestern, heute sind das die Assets. Wer glaubt, diese Art zu sprechen wäre ein Klischee hat recht und irrt sich zugleich. Ich habe Leute, die must win Aufgaben sprechen, selbst erlebt und dass sogar vor kurzen, was mich zu diesem Blogbeitrag veranlaßte.
Wir sind also wieder mitten in den Anglizismen. Doch dieses Mal will ich sie nicht in Bausch und Bogen verteufeln, sondern fragen, wie wir mit ihnen umgehen sollen. Dazu könnte ein Blick zu unseren westlichen Nachbarn. Die Franzosen haben seit dem 4. August 1994 das Loi relative à l’emploi de la langue française, dem Gesetz betreffend der französischen Sprache. Im ursprünglichen Entwurf des Gesetzes sollten Fremdwörter insbesondere Anglizismen gesetztlich untersagt und druch französische Begriffe ersetzt werden, ggf. auch durch staatlich verordnete Neologismen also Wortneuschöpfungen. Eine Verfassungsklage konnte die schlimmsten Auswüchse verhindern, gültig ist das Gestz schon und in weiten Teilen verpflichtend. So heißt ein PC im französischen etwa ordinateur und das Byte octet.
Komischer Weise bekomme ich bei beiden Extremen die Krätze. Bei sich commitenden Leuten krempeln sich mir die Fußnägel hoch und bei staatlich verordneten Sprachpuritanismus meldet sich mein Gen für zivilen Ungehorsam.
Aber was ist jetzt richtig? Ein Touchpad Grabbelfläche zu nennen ist doch auch affig, oder?


