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Die Heimat der schrägen Geschichten.

Der Berlin

Ick sitze da und esse Klops.
Uff eenmal kloppt's.
Ick sitze, kieke, wundre mir,
uff eenmal is se uff de Tür.
Nanu denk ick, ick denk nanu!
Jetzt is se uff erst war sie zu.
Und ick geh raus und kieke.
Und wer steht draußen?
Icke.

Ich bin keiner - kein Berliner, auch wenn ich länger in jener bewussten Stadt lebe, als in meinem Geburtsort. Also, wie ist er so, der Berliner?

Dass ist gar nicht so einfach zu sagen, es gibt so wenige davon. Meistens sind sie in der Unterzahl, egal ob am Arbeitsplatz oder unter Freunden. Der Berliner ist oft ein Zugereister, was sicherlich auch daran liegt, dass es hier so viele Hochschulen gibt. Wir haben vier Universitäten, vier Kunsthochschulen, sieben Fachhochschulen und zwölf private Hochschulen. Um die alle zu füllen, braucht es eine Menge Menschen. In Berlin leben deswegen 130.000 Studenten. Es gibt keine Studiengebühr. Wer nicht studiert, hat vielleicht etwas mit der Hauptstadtfunktion zu tun (direkt oder indirekt) und ist als Politiker, Lobbyist, Verbandspräsident oder deren Anhängsel, mehr oder weniger freiwillig in die Stadt gekommen. Wer also mit einem in Berlin lebenden Menschen in Kontakt tritt, muss damit rechnen, mit einem Schwaben, Bayern, Hamburger oder gar Sachsen zu sprechen. Echte Berliner sucht man/frau, gerade in den In-Bezirken, mit der Lupe.

Zum Glück assimiliert die Stadt ihre Neubürger. Dies geschieht zwar mehr oder weniger schnell, aber es passiert, so dass am Ende doch so etwas, wie eine Berliner Mentalität heraus springt, die sich primär durch einen sehr speziellen Größenwahn auszeichnet: Er fühlt sich als Weltstädter, verhält sich aber wie ein Provinzler. Ansonsten gilt: Was kostet die Welt. So paart sich eine, gelegentlich peinliche, Großspurigkeit mit einer durchaus charmanten Liberalität. Ganz im Sinne Friedrich des Großen »Jeder nach seiner Facon« kann man/frau hier wirklich jeder sein eigenes Ding durchziehen.

Berlin ist multikulturell, mit allen Licht- und Schattenseiten. Die Stadt ist sehr weltlich. 21,5 % sind evangelisch, 9,3 % katholisch, 2,7 % bekennen sich zu einer anderen christlichen Konfession, 6,3 % sind Moslems bzw. Moslima und 0,6% bekennen sich zu allen anderen Religionen, doch 59 % sind konfessionslos. Hier gibt es nicht nur 76 Moscheen, sondern auch mehrere buddhistische Tempel und elf Synagogen, auf der religösen Seite, denen diverse humanistische und atheistische Vereinigungen mit ihren Bundeszentralen gegenüber stehen. Gelebter preußischer Liberalismus.

Je mehr man sich in das Thema vertieft, so verschwommener wird das Bild vom »echten Berliner«. Wo, in welchen Biotopen wird man noch fündig? An der Currywurstbude? Taxifahrer? WurstwarenfachverkäuferIn im Supermarkt? Der Handwerker von nebenan? Sicher, aber auch dort hat man es oft mit Assimilierten zu tun. Was aber nicht schlimm ist, da sie sich am Ende nicht vom Original unterscheiden.

Welchen Tipp sollte man im Umgang mit dem generischen Hauptstadtbewohner nun geben?

Das kommt drauf an. Trifft man auf den echten »Balina«, dann sollte man ihm oder ihr ihre latente Großspurigkeit nachsehen. Sie ist nicht böse gemeint. Berliner Geschäftspartner bringen es fertig, einen eine Stunde lang zusammen zu fallen, was man ihnen für einen Scheiß andrehen will, um dann breit grinsend den Vertrag zu unterschreiben. Klappern gehört halt zum Handwerk und hier wird laut geklappert. Am Ende hat man/frau nämlich nur eine Kostprobe von »Herz mit Schnauze« erhalten.

Manchmal blitzt bei meinen Berlinern allerdings auch ein etwas fieser Charakterzug auf - Sie sind gelegentlich Verpisser ohne Arsch in der Hose, gerade im geschäftlichen Umfeld. Schickt man etwa einem Geschäftspartner ein von ihm angefragtes Angebot über ein neues Produkt oder eine Dienstleistung, kann es passieren, dass man keine klare Absage erhält. Stattdessen wird wochenlang rumgegruckst, bis man hintenrum erfährt, dass sich der Kunde für jemand anderen entschieden hat.

Bei den nicht Assimilierten gelten natürlich andere Regeln, also die für Schwaben, Hessen, Bayern etc.