Schneebeseitigungsfirmen oder »Sie kommen aus dem Gefängnis frei«
Ganz so dramatisch ist es nicht, geht aber in die Richtung. Doch beginnen wir am Anfang.
Von Freitag bis Sonntag morgen schneite es hier in Berlin munter flockig vor sich. An sich keine Meldung, ganz Deutschland bekam bekanntlich seinen Teil pulverig gefrorenen Wassers ab, die Fehmarner sogar mehr, als ihnen lieb war. Ich mag ja durchaus Schnee, allerdings stellt er im öffentlichen Straßenland ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar, insbesondere, wenn er zu kompakten glatten rutschigen Eisplatten verdichtet wird.
Aus diesem Grund verpflichten viele (die meisten?) Gemeinden Haus- und Wohnungsbesitzer zum Räumen der weißen Pracht, so auch uns, die wir in einer Eigentumswohnung wohnen. Allerdings wird wohl niemand in unserem Haus auch noch einen Bewohner dazu bewegen, morgens um sieben zur Schneeschippe zu greifen. So ist es aber Pflicht. Werktags ist in Berlin von 7:00 - 20:00 Uhr zu räumen, Sonn- und Feiertags genädiger Weise erst ab 9:00.
Da sich Lust zur frühmorgendlichen Körperertüchtigung seitens unserer Bewohner in Grenzen hält, beauftragten wir, wie alle anderen auch, eine Firma mit der Schneebeseitigung. Nur dass die die Schnee nicht beseitigten. Seit Wochen muss unsere Hausverwaltung hinterher telefonieren und mahnen, damit die Leute ihren Hintern hoch bekommen, so dass sich die Frage stellt, wofür wir eigentlich zahlen?
Ich weiß es, ich habe mir die Verträge durchgelesen: Wir zahlen wir unsere persönliche »Sie kommen aus dem Gefängnis frei«-Karte. Mit der Beauftragung zur Schneebeseitigung, geht nämlich der schwarze Peter auf die Räumfirma über. Wenn Polizei oder Ordnungsamt etwas zu bemängeln haben, sind wir zum Glück nicht mehr verantwortlich. Die sind es. Vielleicht ist dass das Geheimnis dieser Firmen. Sie sollen keinen Schnee schippen, sondern einen den Rücken frei halten.
PS: Ja, dies war ironisch gemeint.
PPS: Ich griff dann selbst zu Schneeschippe. Das dankte mir zwar niemand (ganz im Gegenteil beschwerte man sich über den Lärm in Hinterhof), bot aber eine willkommene Gelegenheit ein paar Weihnachtskalorien zu verbrennen.


