17. Schwul-Lesbisches Stadtfest Berlin Schöneberg
Gestern und heute (20./21.6.2009) fand zum 17. Mal das Lesbisch-Schwule Stadtfest statt. Und wir waren beide Tage dabei.
. Doch zuerst ein wenig zur Geschichte. Das erste Stadtfest, dass damals noch Motzstraßenfest hieß, fand 1993 statt und war eine Reaktion von rund 25 Wirten der Schwulenbars des schwulen »Bermudadreiecks« um Motzstraße, Nollendorfplatz, Eisenacher und Kalkreuthstraße. Dieser Zusammenschluss kam durch das schwule Überfalltelefon Maneo zustande, nachdem im Kiez etliche schwule überfallen wurden.
Heute, 17 Feste später, scheint das Thema immer noch aktuell zu sein. Erst vor wenigen Wochen kam es zu einem unschönen Vorfall, bei dem der Pächter einer Eisdiele mitten im Kiez, mehrfach schwule Männer beschimpft und ein küssendes lesbisches Pärchen aus seinem Vorgarten gescheucht hat. Als kreative Gegenmaßnahme gegen diese Intoleranz (Wobei man sich eh fragt, wieso jemand seine besten Kunden beleidigt?), kam es am 9.5. zu einem Kiss In vor der Eisdiele.
Während diese Episode noch relativ entspannt und amüsant war, liest sich der Maneo Bericht von 2008 nicht wirklich ermutigend. So haben sie letztes Jahr 386 Meldungen aufnehmen müssen, von denen sie 288 bearbeiten mussten. Es bleibt also noch sehr viel zu tun.
Dies ist sicherlich auch ein Grund, warum das Stadtfest keine ausschließliche Party- und Fressmeile ist. Ganz im Gegenteil. Die Veranstalter haben das Fest in verschiedene »Stadtfestwelten« aufgeteilt, in denen sich die verschiedensten Gruppen präsentieren. Angefangen bei schwulen Sportvereinen, wie Vorspiel, über schwul-lesbische Netzwerke von Unternehmen und Behörden, der Deutschen AIDS-Hilfe bis hin zur Piratenpartei, die dort um Mitglieder warb.
Natürlich, denn das gehört einfach dazu, gab es auch Kommerz und Party.
Zum Beispiel eine nette Modenschau, mit mehr oder weniger attraktiven Jungs, wobei letzteres natürlich ganz im Auge des Betrachters liegt.
Wobei ich sagen muss, dass sich die Besucher des Stadtfestes eher bodenständig geben. Obwohl sich ca. 300.000 Besucher die kleine Ecke Schönebergs bevölkern und es am Samstag richtig, richtig, pickepacke voll war, gab man sich cool, lässig und familiär. Es gibt Leute, die behaupten, das Stadtfest wäre der bessere CSD. Ich sehe das nicht so. Beides gehört hier in Berlin zusammen, wie das Kondom auf den Schwanz. Das Stadtfest leitet die CSD-Woche in Berlin ein, zu der unter anderem vor dem Rathaus Schöneberg und dem Rotem Rathaus die Regenbogenflagge aufgezogen wird.
Dies war nicht immer so. 1996 war das Jahr des Berliner Flaggenkriegs. Schon damals wurde vor den Rathäusern von Schöneberg, Kreuzberg und Tiergarten die Regebogenflagge gehisst, was dem damaligen Berliner Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) extrem zuwider war. Es störte ihn so sehr, dass er über Jahre versucht, die Beflaggung unter Verweis auf die Berliner Flaggenverordnung zu verhindern. Angeblich wollte er sogar Polizeikräfte einsetzten, um das Aufziehen des Regenbogens zu verhindern, was aber daran scheiterte, dass die Presse davon Wind bekam und man die Peinlichkeit vermeiden wollte, sich fragen zu lassen, wieso Polizeibeamte Fahnenstangen bewachen müssen. Schließlich soll sogar die Flaggenverordnung verändert worden sein, bis dann Wowereit kam und das Thema kassiert wurde.
Zurück zum Stadtfest. Natürlich ist das Teil auch eine wunderbare Fressmeile. Gestern sparten wir uns das heimische Kochen und gönnten uns Indisch. Mein Männe nahm Madras Huhn, während ich sehr delikate Lammhackbälle in Soße auf Reis verzehrte. Ich liebe Lamm. Davon abgesehen, waren die Preise auf dem Fest durchaus zivil. Die Caphis zu Erfrischung, bestanden nicht nur aus Eis, sondern boten ordentlich Stoff, großzügig braunen Zucker und saftige Limetten zu einem vernünftigen Preis.
Wie man sich denken kann, nutzen nicht nur die einschlägigen Bars- und Kneipen der Motzstraße, Eisenacher Straße, Fugger- und die Kalckreuthstraße, zur allumfassenden Bewirtung der Gäste des Festes, auch die Kiezläden hatten geöffnet.
Ich gebe zu, mein Mann musste leiden. Ich nutze die Gelegenheit, mich ausgiebig umzusehen. Alle Läden mussten dran glauben. Auf dem Bild halte ich eine leckere Latexjacke im Motorradjackenstil mit unverdaulich hohen Preis in der Hand. Die passende Hose sieht man am rechten Rand hängen. Wer selbst mal Blick darauf werfen will, sollte den Laden, Gear, bei Gelegenheit besuchen. Im Erdgeschoss, das Bild zeigt den Keller, gibt es auch ganz normale Sportware. Jedem halt seinen Fetische.
Die Konzentration an Leder-, Latex- und Fetischläden ist im Schöneberger Kiez erstaunlich hoch. Hier reiht sich ein Laden an den anderen. Es fängt mit rob in der Fuggerstraße an, geht über MisterB in der Motzstraße, bis zur Butcherei Lindinger, ebenfalls in der Motzstraße. Kein Wunder, dass im September an gleicher Stelle Folsom Europe, dem Stelldichein der SM-, Fetisch- und Lederszene, stattfindet. Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist es, Vorurteile bei der »Normalbevölkerung« abzubaue, was wohl nur bedingt gelingt. Die Überschüsse des Festes gehen in die HIV/AIDS-Prävention und Betreuung. Man mag es kaum glauben, aber die Sache wird sogar vom regierenden Bürgermeister und dem Berliner Tourismusverband unterstützt.
Was gab es noch?
timm war da. Wer um Himmels willen ist timm? Natürlich der schwule Fernsehsender (»Wir lieben Männer«). Und mit timm, waren auch zwei ihrer »Anchormänner« - Rick und Steve.
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So, das war mein Bericht vom Stadtfest 2009. Nächstes Wochenende werde ich dann hoffentlich ein paar nette Bilder vom CSD 2009 in Berlin mitbringen. Dazwischen wird natürlich weiter an meinen Geschichten geschrieben - Versprochen!


